Thomas Bachmann

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Last update: 26.01.2012



Ich bin nicht da,

sagt der Kneipenphilosoph. Wie lange kann ein Schiff sinken ohne unter zu gehen? In den Kneipen sitzen jedenfalls die Traurigen und die Schlauen manchmal beieinander. Und üben sich in Nihilismus. Wer für sich selbst nichts mehr hat wünscht, daß niemand mehr was hat. Dabei sitzen sie auch nur im Käfig wie alle anderen, und sind eingeplant. Sorgen immerhin ab und an für eine Pressemeldung; manchmal für´s Schmunzeln gut, manchmal für´s Gruseln, meistens für´s Kopfschütteln. Das sind Unterhaltungswerte, man sollte sie bezahlen.
Das neue Jahr hat begonnen und stirbt schon in den ersten Tagen. Der Puls der Zeit ist flach und hastig wie nach einem Joint. Alle bekifft. Verschobene Dimensionen unter ewigen Sonnenuntergängen an ewigen Lagerfeuern. Da starrt sich´s gut in die Vergangenheit wenn die Gegenwart bedeutungslos ist. Die Kneipen sind die Ersatzlagerfeuer, ansonsten kann man nicht viel machen. Was sich auch regt wird auf Verwertung geprüft. Religion? Die auch, natürlich. Die erst recht. Alles in grauen Vorzeiten angelegt wie eine Datei, ein selbstextrahierendes Archiv. Es braucht keinen Schritt mehr vor die Tür und auch keine Ansicht. Und spätabends kommt der Pizza-Bote zehn Minuten nach der Bestellung im Internet. Ob die Nachbarin Salz borgt? Natürlich, warum nicht? Zwar bellen in der Einsamkeit hinter Wohnungstüren überall Hunde, aber was macht das schon. Salz bekommst du. Und vielleicht sollte das als Inhalt auch reichen. Das sinkende Schiff ist ein Salztransporter. Die Kristalle lösen sich im Meer und brennen in keiner Wunde. Stark verdünnt ist eben alles, sagt der Kneipenphilosoph. Also Bier trinken und durch. Irgendwann endlich wird der Kahn ganz untergegangen sein.





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