Thomas Bachmann

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Last update: 18.05.2012



Immer noch Frühling

Und Mütter, die ihre Kinderwagen wie Panzer durchs Gedränge schieben, sind auch immer noch da. Allerdings sind manche darunter fast elegant zu nennen, sie schieben mit Selbstbewußtsein und Würde. Was macht es da schon, wenn sie aus Versehen ein Kind zur Seite drängen, vorzugsweise kleine freche Jungs mit viel zu großem Eis. Sonne macht eben die Schritte schwungvoll. Das ist was Schönes. Weitausgreifender Schritt auf einem Weg voller Frühling. Die Väter arbeiten unterdessen oder streiten vor Gerichten für ihre Liebe. Aber die bürgerliche Gesellschaft fußt auf Klischees und eines der unausrottbarsten heißt: Das Kind gehört zur Mutter. Und der Mann, als Oberhaupt der Familie, hat diese gefälligst zu ernähren. Darauf läßt sich ein ganzer Lebensplan entwerfen, und das tun sich auch, die stolzen Mütter. Es funktioniert ja. Am Ende ist es ein recht simples Geschäft und in dieser geschäftigen Welt kann man ihnen nicht mal einen Vorwurf daraus machen, sie nutzen eben ihre Möglichkeiten. Wir haben halt nur den einen Wert. Und da dieser alles rechtfertigt sind Mütter, die ihre Kinder gegen Entgeld ab und zu an die Väter ausleihen, nichts weiter als ein Geschäftsmodell. Und Frauen, die das nicht so wollen, es gibt sie, haben das nur nicht verstanden. Und kämpfen den gleichen Kampf gegen das Klischee wie die Männer. Aber richtig lustig wird es erst, wenn vor Gericht, in der Presse, in den Ämtern, bei der Kirche, in den Parteien sorgenvolle Gesichter sorgenvoll nach der demografischen Entwicklung schauen. Wenn es nicht so bitter wäre, wäre es eine aufgesprochen gelungene Kabarettnummer. Ansonsten, natürlich, ist Frühling, Wonnemonat Mai, Zeit für Träume und Hoffnungen.






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